MY LIFE IS MY MESSAGE Die Banalität des Guten, oder Gandhi als „extraordinarily ordinary“

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Narayan Desai ist der Sohn von Gandhis Sekretär und hat seine Kindheit in der Nähe des Mahatma verbracht. Das ausführliche Werk ist eine biografische Quelle ersten Ranges.

Man kann diesmal den abwertenden Ausdruck „Schwarten“ gebrauchen, ohne abzuwerten, denn das abschließende vierbändige Werk von Nárayan Desai über Mahatma „Mohan“ Gandhi ist mindestens so dick wie drei Mal „Krieg und Frieden“ von Tolstoi:

Folgendermaßen sind die 2323 Seiten in vier Bücher aufgeteilt:

Band 1, 602 Seiten. Sádhana; 1869-1915.

Gewidmet unter anderen indischen Mitarbeitern den Juden Miss Schlesin, Hermann Kallenbach, und Henry S.L. Polak. Und seinem kritischen Freund Pfarrer „Charlie“ Freer Andrews.. Der Band deckt ab die 21 Gastarbeiterjahre in Südafrika und dabei die Geburt, das Wachsen und die Blüte der Satyágraha- Kampfweise.

Band I1, 704 Seiten: Satyágraha. 1915-1930

gewidmet Mahadev und Pyarelal. Hier finden wir Champáran, Ahmdabad, Kheda. Gandhi rekrutiert für die britische Armee. Die Beziehung Tagore-Gandhi. Mirabhen. Bardoli. Den welthistoreischen Salzmarsch. Der Gandhi-Irwin-Pakt.

Band I1I,, 474 Seiten: Sátyapath 1930-1940.

Gewidmet Pierre Ceresole. Abdul Ghaffar Khan. „Muße im Gefängnis“. Gandhi und Dr. Ambedkar. Die Harijans (Dalits). Gandhi und Subhas Chandra Bose. Die Sozialisten. Vinoba. Mohan und Charlie Cripps.

Band IV, 556 Seiten: Svarpan 1940-1948.

Vinoba und Jayaprakash. Hier wird behandelt „Quit India“, die Beziehung zwischen Mohan und Mahadev, der Tod von Gandhis Frau und von Mahadev im Gefängnis, Der Pakistangründer Mohammed Alí Jinnáh, Noakhali, „Das Wunder von Kalkutta“, Gandhis Agonie angesichts des Abschlachtens zwischen Brüdern und der Heimgang des Hindus Gandhis: ermordet wegen Verrat an der eigenen Religion durch einen Hindu-Intellektuellen, der das Buch geschrieben hatte: „Gandhis Verschwörung mit den Muslimen“.

DIESER AUTODIDAKT GING NIE IN EINE SCHULE


Für mich persönlich ist Nárayan, geb. 1924, der Blick in das Herz von Mahatma Gandhi gelungen, weil er schon als Kleinkind den Weltpolitiker als „Onkel“ erlebt hat, zu dem man einfach zum Spielen ging. Er war der Sohn des Privatsekretärs Mahadev Desai. Gandhi ging mit den Jungen im Sabármati schwimmen und fuhr mit ihnen um die Wette Fahrrad. Als Nárayan Desai größer wurde, merkte er, dass der kinderfreundliche Onkel, bei dem es immer so viel zu Lachen gab, von allen Seiten Respekt wegen seiner Furchtlosigkeit genoss.

Beim Augenblick der Einschulung stellte der kleine Nárayan fest, dass er auf keinen Fall in diese muffigen Klassenzimmer eintreten wollte und erklärte dem Schuldirektor fest und naiv, er verweigere den Schulbesuch. Der Schulleiter Aryanáyakam, den ich selbst später als guten Pädagogen kennen lernte, kam händeringend zu Gandhi, der das Kind zur Räson bringen sollte. Gandhi sagte dem Kind zu „Ich bin dein Rechtsanwalt“ und überzeugte den besorgten Schulleiter, dass der Junge wohl als Autodidakt auch gebildet werden würde.

Als Halbwüchsiger trat Nárayan dann in die Kanzlei des Politikers Gandhi ein und wurde zu einem voll gebildeten jungen Mann, der einem Universitätsabsolventen in nichts nachstand (1936-1946) u.a. dank dem persönlichen Begleitdienst an interessanten Besuchern aus aller Herren Länder (höchsten Würdenträgern hatte er die tätige Wartung des Klosett- Komposts zu erklären).

Er beherrscht heute mit 87 in Wort und Schrift mindestens zwei Sprachen von den über vierzehn Indiens plus das Englische. Dieser Autodidakt hat am Ende eines langen Lebens seine Erlebnisse mit dem Mahatma in vier dicken Bänden zu 2323 Seiten zusammengefasst. Und das Patriotische daran ist: er hat (in 4 Jahren) diese Bücher alle in Gujerati geschrieben, eine Sprache, die er als seine Muttersprache beherrscht und die ihm viele Feinheiten erlaubt. Erst dann wurden die 4 Bände (in weiteren 2 Jahren) für uns Westler in gutes Englisch übertragen. Indische Patrioten beherrschen das Englische, aber dies ist absichtlich ihre Zweitsprache…Tagore übertrug seine in Bengalisch verfassten Gedichte selbst ins Englische (er bekam 1913 als erster Nichteuropäer den Nobelpreis).

Nárayan Desai hat natürlich am Freiheitskampf aktiv teilgenommen, weil er an Gandhis Rockschössen hing. Nachdem dieser Vorkämpfer ermordet war, warteten alle Gandhier auf einen spirituellen Nachfolger, denn der politische Nachfolger war längst aktiv: Nehru, der auch weltweit wirkte..Auf eine ganz anders geartete Persönlichkeit fiel der Mantel des Mahatma: auf den Theologen Vinóba, den auch genaue Kenner der „Planeten um die Sonne“ Gandhi nicht wahrgenommen hatten. Schließlich war diese Nachfolge in zwei große Aspekte aufgeteilt, wie „Thron und Altar“: Nehru, für die Innen- und die Aussenpolitik, und Vinoba, als Nicht-Politiker doch die begeisternde Kraft in der Innenpolitik:. Vinoba, bis dahin nur ganz wenigen überhaupt bekannt, wanderte zu Fuß über 100.000 Kilometer durch die 540.000 oft elenden, selten traditionell autarken indischen Dörfer, um das Klima für eine freiwillige Bodenreform zu schaffen: die Bhúdan-Bewegung, der sich Nárayan anschloss. Nárayan marschierte 12.000 Kilometer und „erbettelte“ dabei 12.000 Morgen (acres) an Boden-Geschenken für die Weiterverteilung an die Landlosen.

Nárayan Desai wurde der mitbegründende indische Sekretär der internationalen Peace Brigades, und er hatte den Vorsitz der Internationale der Kriegsdienstgegner inne. Als bewährter Autor und Herausgeber hat er - in Gújerati, Hindi und Englisch - 50 Bücher geschrieben. Er hat sechs Zeitschriften in der Hindustani-Sprache ((Mischung von Urdu und Hindi) herausgegeben. In seiner Muttersprache Gújeratí hat er als Literat die höchste staatliche Anerkennung erhalten. Auch die UNESCO hat ihn geehrt- mit dem „Award for Non-Violence and Tolerance“. Heute ist der der Kanzler der Universität Gujerat Vidyapeth in Ahmdabad, die Gandhi 1920 gegründet hatte. Heute wird er von allen Kontinenten eingeladen, über seine Kindheits- und Jugend-Erlebnisse zu berichten, aus der seltenen Sicht eines Kindes an Gandhis Seite. Seine Hauptsorge ist, Gandhis Botschaft der jungen Generation zu vermitteln und verständlich zu machen.

Nárayan Desai ist qualifiziert, den Staatsmann und Heiligen Gandhi von innen heraus zu beschreiben. Und er kannte die Banalität des Guten u.a. als Klo-Kompostier-Lehrer für alle in Gandhis Kommune, von wo es natürlich auch Allzumenschliches zu berichten gibt. Das utopische Ziel war die landwirtschaftliche, künstlerische und spirituelle Selbstversorgung.

Martin Luther hat seinen Schriften wenig Bleibendes beigemessen, nur seinem Glauben möge man folgen. Gandhis offenbares Geheimnis war, dass nicht seine 100 Bände, sondern sein experimentierfrohes Leben seine Botschaft enthält , und deshalb lautet der Buchtitel MEIN LEBEN IST MEINE BOTSCHAFT. Er machte alle seine Fehler nur ein einziges Mal.

Nárayan Desai: My Life is my Message, 2009,
ISBN 978 81 250 3706 4,

Hyderabad Verlag Orient Black Swan, London, Phone 09312071232, tanmay.roychowdhury@orientblackswan.com , .
In Bombay “Gandhi Book House 9122-23872061 und 23878731. Es war aber sehr aufwendig, es per Post gesendet zu bekommen

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